"Huckleberry Finn"
nach Mark Twain. Mit Herbert Knaup & The Mississippi Four

Illu: E. W. Kemble _ZUMA Press, Inc.; Foto: Stefan Nimmesgern

Für Denis Scheck ist dieser Roman “die Gründungsurkunde der US-amerikanischen Literatur. Nichts war nach ihm so wie vor ihm.“ Hundert Jahre vorher schrieb Ernest Hemingway: 

„Die moderne amerikanische Literatur stammt von einem Buch Mark Twains ab. Es heißt Huckleberry Finn.“

 Samuel Longhorn Clemens, der sich nach einem Wasserstandszeichen am Mississippi Mark Twain benannte,  war ein Zeitgenosse des Engländers Charles Dickens und des Franzosen Victor Hugo. Wie seine transatlantischen Kollegen war er ein Autor, der sich in all seinen Büchern in das politische und gesellschaftliche Tagesgeschehen einmischte. Engagiert sezierte er Ungerechtigkeit und Lüge in den USA und verurteilte sie. Zeit seines Lebens rieb er sich an Fragen des Unrechts und des Machtmissbrauchs und gab Antworten in seiner Literatur. Und wie Hugo und Dickens war er ein Star. Von der Kritik gefeiert, waren die drei Autoren die meistgelesenen Schriftsteller ihrer Tage. 

 In „Huckleberry Finn“ entlarvt Mark Twain die Grundkonflikte der amerikanischen Gesellschaft – das Verhältnis zwischen den weißen Einwanderern und den in die USA verschleppten, versklavten Schwarzen, das willfährige Anerkennen des Rechts des Stärkeren und der Hang zu religiösem Eiferertum. Sein satirischer Spott enttarnt die führenden Schichten der Südstaaten als Ansammlung von Moralaposteln, Tugendwächtern und auf Eigennutz bedachten Heuchlern.

„Huckleberry Finn“ erzählt die Geschichte eines Jungen, der vor seinem despotischen Vater, einem ortsbekannten Säufer, flieht und dabei auf den ebenfalls geflohenen Sklaven Jim trifft. Während ihrer abenteuerlichen Flucht über den Mississippi überbrücken die Beiden die Kluft ihrer unterschiedlichen Hautfarbe und verbrüdern sich gegen die feindliche Außenwelt. In der Beziehung zwischen Jim und Huck liegt der utopische Horizont dieses Romans, in ihrer von gegenseitigem Respekt bestimmten Gemeinschaft auf dem Fluss werden sie zur Utopie eines alle Rasseschranken überwindenden Amerikas.

Dabei zieht sich der Umgang mit Wahrheit und Lüge in der amerikanischen Gesellschaft als Thema durch die Geschichte wie der Alles bestimmende, faszinierende Fluss. Huck Finn findet im Laufe der Geschichte dazu eine klare Haltung: „Jemand, der in einer peinlichen Lage aufsteht und die Wahrheit sagt, geht ein ziemliches Risiko ein. Aber wenn ich mit der Wahrheit nicht besser fahre als mit der Lüge, dann fress‘ ich nen Besen.“

Besetzung

Herbert Knaup - Rezitation und Schauspiel

The Mississippi Four - tba

Libor Šíma - Komposition

Birte Horst - Lichtdesign

Martin Mühleis - Textbearbeitung, Produktion, Regie

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